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  1. #1
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    Destrukktors gesammelte Werke

    Da ich hier doch öfter mal Texte veröffentliche und ich nicht wegen jedem Furz gleich einen neuen Thread aufmachen will habe ich jetzt mal meine bisherigen Texte hier zusammengefügt, auch alle jetzt noch kommenden Texte kommen dann direkt in diesen Thread.


    Der Brief des Hoffenden



    Sehr geehrter Herr Arm


    Ich hoffe sehr, dieser Brief erreicht sie persönlich. Ich schreibe Ihnen, weil ich Ihnen meine persönliche Lage klarmachen will. Meine Exfrau, von der ich mich vor zwei Jahren scheiden ließ, plagt mich bis heute mit Unterhaltszahlungsforderungen, Klagen und anderem. Mein einziges Kind darf ich nur einmal monatlich zu Gesicht bekommen, weil mir das Jugendamt „zum Schutz“ jeden weiteren Kontakt untersagt hat. Meine wirtschaftliche Lage ist wegen meinem geringen, aber bisher immerhin gesicherten Einkommen natürlich alles andere als optimal,
    meine psychische Verfassung ist schlecht und hat sich durch den hohen psychischen Druck weiter verschlechtert.
    Ich wende mich an Sie, weil ich in meiner Arbeitsstelle bisher immer einen ruhenden Punkt in meinem Leben sah – der Punkt meines Lebens der immer konstant blieb, um den ich immer mehr oder weniger kreiste,
    ohne dass er mir die Luft zum Atmen jemals genommen hätte, im Gegenteil, er hat mir das Atmen erst ermöglicht.
    Mein Beruf ist mir sehr, sehr wichtig, nicht nur der finanziellen Aspekte wegen, sondern auch der persönlichen. Meine Arbeit gibt mir Kraft und Vertrauen – Energien, die ich für mein Leben brauche.
    Ich erfuhr natürlich wie alle anderen Mitarbeiter auch von den finanziellen Problemen, in denen die Firma gerade steckt und ich kann verstehen, wenn Stellen gestrichen werden müssen – doch ich bitte Sie inständig, mir nicht zu kündigen, aus den oben genannten Gründen. Ich brauche meine Arbeit und ich verspreche, in Zukunft über mein Maximum hinaus zu arbeiten und eine starke Arbeitskraft zu bleiben.
    Ich bitte sie, ihre Kündigung zurückzuziehen. Ich brauche Sie.

    Hochachtungsvoll und mit freundlichsten Grüßen

    Ihr ergebener Herbert Reich


    _______________________________



    Der Brief des Verzweifelten




    [Dieser Brief wurde maschinell von einem Computer erstellt und ist deshalb auch ohne Unterschrift gültig]

    ----

    Sehr geehrte/r Herr/Frau Reich

    Leider können wir Ihre/n Wünsche/Forderungen/Terminen nicht nachkommen.
    Bei weiteren Rückfragen erreichen Sie uns von Mo. - Fr. von 10.00 – 18.00 Uhr unter der untenstehenden Telefon- und Faxnummer. ( 49 ct/min aus dem deutschen Festnetz)

    ----

    FIRMA ARM – LEISTUNG AUS SOLIDARITÄT UND LEIDENSCHAFT

    Geändert von LongWayHome (19. April 2010 um 22:33 Uhr)
    Jetzt mit mehr blauen Flammen!

  2. #2
    itsamejj
    Guest
    spricht hier wohl einigen aus der seele

  3. #3
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    Kritik bitte: [Kurzgeschichte] "Warten"

    Yep, folgendes vorneweg: Die Kurzgeschichte habe ich für einen "Schreibwettbewerb" unserer Schule geschrieben, Thema war "Warten" (Einen richtigen Titel habe ich ihr noch nicht gegeben, das kommt noch, hoffe ich). Vor allem Verbesserungsvorschläge sind erwünscht, weil ich persönlich mit dem Machwerk noch nicht ganz zufrieden bin ~~.


    Sie saß im vom Morgentau genässten Gras und wartete auf den erlösenden Regen. Die ganze Nacht hindurch hatte sie vor der Mine auf ihn gewartet. Die anderen Frauen waren schon lange wieder gegangen, nur sie war geblieben und hatte gewartet, die ganze Nacht hindurch. Als die schreckliche Nachricht im Dorf ankam, holte sie gerade das frische Brot für das Abendessen aus dem heißen Ofen. Natürlich war sie wie all die anderen Frauen, deren Männer im Bergwerk arbeiten, sofort gekommen und hatte zuhause alles liegen gelassen. Das erkaltete Brot wartete wohl immer noch auf dem Küchentisch.

    Das quälende, nicht enden wollende Gefühl der gespannten Erwartung war das Schlimmste. Die Ungewissheit, ob man Witwe oder glücklich war, die klagenden Frauen, die zumindest inzwischen alle gegangen waren, der Geruch von Angstschweiß und feuchter Erde in der Luft und der schreckliche Anblick des von gigantischen, hässlichen Erdklumpen verschütteten Minengangs. Nach einer unendlichen Endlichkeit war der Rettungstrupp zurückgekehrt, und er hatte die Überlebenden mitgebracht. Viele waren furchtbar zugerichtet, aber sie waren am Leben. Waren dem Teufel noch von der Schippe gesprungen, gerade so. Nicht alle kehrten zurück. Sie war eilig, mit immer weiter wachsender Verzweiflung, die Reihen der Geretteten abgelaufen und hatte viele erkannt, doch der eine, dessen Abendbrot erkaltend auf dem grauen Küchentisch wartete, war nicht dabei gewesen. Einige der Grubenarbeiter hatten ihr mitfühlend auf die Schulter geklopft, doch hinter ihrem Mitgefühl, in einer kleinen, gemeinen, hinteren Ecke ihrer Gedanken, waren alle nur froh, dass es nicht sie getroffen hatte.

    Sie hatte jedoch nicht aufgegeben. Sie nicht. Sie hatte weiter auf ihn gewartet, und bald war es dunkel geworden. Die Nacht war nicht nur ereignislos, sondern auch quälend lang gewesen. Keine Minute hatte sie geschlafen und immer wieder hatten seltsame Geräusche der Nacht oder Lichtreflektionen des Mondes kurze, grausame Hoffnungsschimmer in ihr aufkeimen lassen, doch nie wurden diese erfüllt.
    Nach Stunden der Qual in der dunklen Nacht, war die Sonne aufgegangen, rot, wunderschön und hinter Regen verheißenden Schleierwolken halb verborgen. Sie wartete noch eine Weile, doch nichts geschah.

    Dann kam er. Der Regen kam. Und mit ihm kam die Gewissheit.
    Auf dem Rückweg zum Dorf vermischten sich die kühlenden Tropfen mit ihren heißen Tränen voller Leidenschaft.




    Probleme, die mir direkt gerade einfallen:
    1. Die Geschichte ist derbe melodramatisch und kitschig, aber ich weiß nicht, wie ich das ändern soll ohne ihr viel von ihrer Kraft zu nehmen.
    2. Irgendwie komme ich mit den Zeiten nicht klar. Ich könnte schwören, dass ich da irgendwo grobe Tempusfehler eingebaut habe, aber ich hab sie jetzt mehrmals durchgelesen und finde sie nicht.
    3. Ich weiß nicht, ob ich nicht zu ausführlich bin. Ich neige bei meinem Geschreibsel immer dazu, den Leser zu unterschätzen und mehr zu erklären als gesund ist. Wenn euch solche Passagen auffallen, immer her damit (ich selbst kann das schwer beurteilen).

  4. #4
    Warcraft_Freak
    Guest
    problem des textes liegt denk ich vor allem im aufbau, und im mangelhaften inhalt - an und für sich wäre dieses melodramatische nicht so schlimm, wenn du nicht 5mal das brot und gefühlte 100mal das warten erwähnen würdest.

    merke: wenn ein wort besonders wichtig ist, kannst du das wesentlich stärker hervorheben, indem du es EINMAL an einer wichtigen stelle platzierst, als wenn du es andauernd verwendest.

    allgemein kann ich gleich im voraus sagen, dass du aufbau und stil, aber auch die schwerpunkte deines textes von vornherein so ansetzen solltest, dass er zum inhalt und zum geschehen passt - sonst kommt der ausdruck nicht so wirklich durch, die stimmung schlägt nicht ein, es ist uninteressant zu lesen. ist hier teilweise passiert, aber eben nur teilweise - und das ginge viel, viel besser.

    -------------------

    okay, zurück zum inhalt: wichtige elemente sind der eingestürzte schacht, das brot, die tränen, der regen. jetzt hast du den text in die länge gezogen, indem du details eingebaut hast (rettungstrupp, freude der überlebenden, trügerische hoffnung, leidenschaft - alles schön und nicht zu viel, kannst du drin lassen). das reicht aber dann noch nicht wirklich für einen text - also hast du den fehler gemacht, die wichtigen elemente zu weit zu strecken.

    als beispiel nehm ich jetzt mal das brot. im ersten absatz 2mal - das ist jetzt okay, wenn es NUR da vorkommt, weil es dann einfach ein stilmittel ist. wenn du das aber weiter erwähnen willst, dann dürfte da kein "wohl immer noch" bzw. überhaupt keine zweite erwähnung stehen - so ist es schon zu viel, so hat man schon das gefühl, dir wiederholst dich, wenn es das dritte mal auftaucht. hier bräuchtest du einfach noch mehr. es wäre so einfach, da noch bessere worte zu finden, zum beispiel gedanken der witwe anzudeuten (keine direkte rede, passt hier gar nicht - aber ihre verwirrtheit, ihre verzweiflung, ihre positiven erinnerungen an ihn, da könnte man viel draus machen) oder die stimmung deutlich zu machen.

    also, zusammenfassend zum inhalt: du hast einige gute elemente, aber insgesamt hat der text etwas erzählendes, sachliches, fast schon frei von emotionen, was sich ein bisschen mit dem versuch, hier dramatik zu erzeugen, beißt. wie gesagt, bau gedanken, stimmungen ein, versuch, den stil des textes dem zustand der witwe anzupassen, versuch dir diese verzweifelte stimmung klar zu machen und bau deinen text genau so auf, mit halbsätzen, mit angedeuteten erinnerungsfetzen, mit stimmungs-aufbau, der plötzlich wieder in verzweiflung abreißt - oder aber mach es lethargisch, erzähl es aus diesem dumpfen sich-abgefunden-haben heraus, aber dann müsstest du wieder details sparen, dann ist alles unwichtig, dann ist nur er von bedeutung.

    -------------------

    jetzt zum aufbau... nunja, du sagst ja selbst, du hast das gefühl, du hast zeitliche fehler drin. könnte eventuell daran liegen, dass dir die struktur fehlt.
    was ich damit meine, ist folgendes: du hast eigentlich angesetzt mir dem moment: morgen, die sitzt noch und wartet. das ist also dein erzählmoment, das ist der fixpunkt, bei dem du ansetzt. jetzt kommt die rückblende. erster absatz, alles in ordnung.
    dann aber der zweite absatz: ist das jetzt noch rückblende? "Das quälende, nicht enden wollende Gefühl der gespannten Erwartung war das Schlimmste." das schlimmste gewesen, sollte man erwarten, wenn man noch in der rückblende ist. also, wir sind wieder im "jetzt", am morgen, wartend auf den regen. aber dann machst du weiter, führst eigentlich zum zweiten satz direkt über, und da sind wieder klagende menschen, "die zumindest inzwischen alle gegangen waren". und da haben wir schon ein problem. jetzt hast du dir dein zeitgefüge nämlich zerschlagen - entweder von beginn des ersten absatzes an eine zeitstufe zurück, oder aber irgendwo im zweiten satz noch überbinden, um das zu vermeiden. ende des zweiten satzes könnte wieder im jetzt sein, dritter satz ist aber eindeutig rückblende, da hast du einfach chaos drin.

    ganz am anfang würde ich außerdem den aufbau noch überdenken. wirkt plump, zieht einen weder in den bann noch bringt es die handlung direkt rüber, das ist einfach so ein zusammenwürfeln von fakten, wo man dann als lesen irgenwann mal drauf kommt, worums eigentlich geht und was wichtig ist. mehr absätze. punkte. halbsätze. mach am anfang klar, wie ihre stimmung ist. DANN gehst du in die rückblende, dann lässt du sie die erinnerung durchleben, dann erzählst du dem leser kompakt und klar, was geschehen ist - und zwischendurch stürzt du wieder ab, unterbrichst du rückblende, zeigst emotionen. solange, bis du wieder im hier und jetzt bist, dann ins ende übergehen, das dir eigentlich recht gut gelungen ist. den regen. die tränen. den rückweg.

    -------------------

    gut, jetzt zum ende nochmal zum kleinzeug... lies den text nochmal durch, und achte auf wiederholungen. sind ziemlich viele
    du verrätst grundsätzlich nicht mehr, als nötig wäre, aber du erzählst das meiste doppelt und dreifach. das legt die vermutung nahe, dass dir entweder nichts mehr einfällt, oder dass du den leser für dumm hälst und ihm alles wieder ins gedächtnis rufen willst (bei einer kurzgeschichte nicht so toll).

    weil der post jetzt schon so saulang ist, geh ich jetzt nicht mehr den ganzen text durch, sondern beschränke mich auf 2 beispiele:

    2. und 3. satz:
    Die ganze Nacht hindurch hatte sie vor der Mine auf ihn gewartet. Die anderen Frauen waren schon lange wieder gegangen, nur sie war geblieben und hatte gewartet, die ganze Nacht hindurch.
    selbsterklärend, oder?^^ einfach 2mal kurz hintereinander exakt das gleiche, nur etwas anderer satzbau.

    herausgepickt:
    Die anderen Frauen waren schon lange wieder gegangen, nur sie war geblieben und hatte gewartet, die ganze Nacht hindurch.
    [...]
    die klagenden Frauen, die zumindest inzwischen alle gegangen waren...
    [...]
    Sie hatte jedoch nicht aufgegeben. Sie nicht. Sie hatte weiter auf ihn gewartet...
    [...]
    Sie wartete noch eine Weile, doch nichts geschah.
    jau... wie eingangs erwähnt, seltenerer gebrauch des wortes würde wohl besser sein, so hast du ein bisschen eine bedeutungs-inflation, kommt nicht so gut.
    nunja... für mich wäre jetzt grade erst der anfang getan, das da ist ein erster entwurf, jetzt würde ich mich dran setzen und den text nochmal von grund auf neu schreiben. keine ahnung ob du lust drauf hast, ob du die zeit noch hast, ob du ihn nicht sowieso für gut genug hälst. ich bin eben ein perfektionist, und für mich wäre das jetzt mal ein erster entwurf, auf dem ich aufbauen kann, noch kein fertiger text.

    wie auch immer, wünsche dir jedenfalls glück bei deinem wettbewerb und dass der text noch so gut wie möglich wird, egal wie viel von dem, was ich da geschrieben habe, du jetzt auch wirklich anwendest

    mfg
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    /e: nachdem ich jetzt von mehreren seiten gehört habe, dass ich kurz vor dem ban stehe, ich sowieso smurfen werde, den namen nicht mag und das ein guter abschlusspost wäre: könnt ihr mich nicht einfach jetzt gleich bannen, ohne dass ich irgendeinen rechtsradikalen scheiß schreiben muss? ich bitte darum.

  5. #5
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    vielen Dank, genau sowas brauche ich. Bin jetzt nur drübergegangen, ich werde mich morgen nochmal genauer damit befassen, aber im Grunde lieferst du mir genau das, was ich brauche: Du zeigst mir meine Fehler und lieferst Verbesserungsansätze

    Das Brot erwähnte ich zweimal, weil es auch einer der wartenden "Charaktere" ist, genauso wie der Regen und natürlich die Frau - ist sicher richtig, dass ich es nur einmal erwähnen sollte, aber irgendwie bin ich da noch nicht drüber gestolpert. Halbsätze wollte ich eigentlich vermeiden, ich will ja eher eine kalte, einsame Atmosphäre schaffen und nicht unbedingt einen direkten Bezug zur Frau aufbauen, weil ich glaube, dass man dann die "Kälte der Welt" besser zu spüren bekommt.

    Der Aufbau, ja. Je öfter ich meine Geschichte lese, desto vermurkster kommt er mir vor. Jetzt weiß ich auch endlich, was genau falsch läuft, auch hier ein dickes Danke (du hast das schon richtig verstanden, am Anfang und am Ende befindet man ich auf der ersten Vergangenheitsebene, in der Mitte rutscht man noch eine zurück).
    Der Anfang - weiß jetzt nicht, muss ich morgen nochmal genauer drüber nachdenken.

    Zu den Wiederholungen: Ich denke das rührt daher, dass ich den Leser wirklich für dumm halte, oder, um es anders zu formulieren, dass ich immer hundertprozent sicher gehen will, dass er auch ja verstanden wird. Ist eine richtig blöde Angelegenheit von mir

    Das ist übrigens wirklich eine Art "erster Entwurf", zumindest die erste richtige Textversion nach meinem Scriptentwurf. Ich wusste von Anfang an dass ich nochmal drüber gehen muss, deprimiert bin ich jetzt auf jeden fall nicht. Eher im Gegenteil

    PS: Wegen deinem Ban, ich werd mich drum kümmern.

  6. #6
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    Da wollte ich mal einen äußerst ausführlichen Post dazu schreiben und da hat es der Warfraft_Freak schon getan :P

    Zu den von ihm genannten Punkten gehe ich nochmals auf den Satzaufbau an sich ein, am Besten anhand eines Beispiels:

    Das quälende, nicht enden wollende Gefühl der gespannten Erwartung war das Schlimmste. Die Ungewissheit, ob man Witwe oder glücklich war, die klagenden Frauen, die zumindest inzwischen alle gegangen waren, der Geruch von Angstschweiß und feuchter Erde in der Luft und der schreckliche Anblick des von gigantischen, hässlichen Erdklumpen verschütteten Minengangs.

    Was gibt es da zu meckern? Nun der erste Satz wäre so in Ordnung, würdest du nicht noch etwas anhängen wollen. Dadurch wird, wie von Warcraft_Freak auch schon erwähnt das Ganze in die Länge gezogen und der Leser kommt nicht mehr mit. Zusätzlich kommt dann auch noch der Einschub mit den Frauen, der an sich schon eine Wiederholung ist. Wenn du sichergehen willst, dass der Leser mitbekommt was du ausdrücken willst greife doch z.B. auf Metaphern zurück. Statt "die klagenden Frauen, die zumindest inzwischen alle gegangen waren" einfach: "Die Klagelieder waren verstummt, geblieben waren nur der süße Geruch der Angst und der feuchter Erde. Geblieben war der Anblick [evtl näherer Eindruck auf Protagonistin hier] des Gerölls, wo Minenschacht hätte sein müssen, und geblieben war die Angst." Zwei Fliegen mit (fast) einer Klappe: Wiederholung der Frauen kommt nicht vor, sowie wird die Stimmung der Protagonistin durch Szenenbeschreibung transportiert. Nur als Beispiel, taucht bei dir an weiteren Stellen auf.
    Da feiert der Schwachsinn Triumphe!
    »Warum, ach sag, warum
    ist unser Herz so klein?
    Schlaf ein mein Kind und träume sacht,
    das kommt wohl von der dunklen Nacht«

    aus Abendlied, W. Borchert
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  7. #7
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    Gut, nächste Version (ist jetzt die vierte oder fünfte, ka, hab den Überblick verloren). Bin immer noch nicht mit allem einverstanden, aber ungefähr zufrieden. Habe einige Sätze teilweise verändert, einiges "Warten" und "Brot" rausgenommen und das Ganze gegen Ende hin noch etwas erweitert. Nur mit der Grammatik bin ich mir immer noch unsicher...
    Meinungen wie immer gerne gesehen, je negativer und konstruktiver, umso besser.
    Zu dem Liedausschnitt: Ich wollte unbedingt ein Lied aus der Romantik nehmen, weil diese Zeit genau dieses Lebensgefühl vermittelt was ich hier vermitteln will (da haben sie im Grunde ja auch immer nur auf die großen Gefühle gewartet bzw davon geträumt), ich hab ein "bisschen" gegoogled aber nichts wirklich perfekt passendes gefunden (das geschriebene war noch das beste, aber ich will eigentlich ein anderes) - wenn ihr da noch Vorschläge oder Ideen habt, vielen Dank.

    Sie saß im vom Morgentau genässten Gras und wartete auf den erlösenden Regen. Die ganze Nacht hindurch hatte sie vor der Mine auf ihn gewartet. Die anderen Frauen waren schon lange wieder gegangen, nur sie war geblieben, die ganze Nacht hindurch. Als die schreckliche Nachricht im Dorf angekommen war, hatte sie gerade das frische Brot für das Abendessen aus dem heißen Ofen geholt. Natürlich war sie wie all die anderen Frauen, deren Männer im Bergwerk arbeiten, sofort gekommen und hatte zuhause alles liegen gelassen.

    Das quälende, nicht enden wollende Gefühl der gespannten Erwartung war das Schlimmste. Die Ungewissheit, ob man Witwe oder glücklich war, die klagenden Frauen, die zumindest inzwischen alle gegangen waren, der Geruch von Angstschweiß und feuchter Erde in der Luft und der schreckliche Anblick des von gigantischen, hässlichen Erdklumpen verschütteten Minengangs. Nach einer unendlichen Endlichkeit war der Rettungstrupp zurückgekehrt, und er hatte die Überlebenden mitgebracht. Viele waren furchtbar zugerichtet gewesen, aber sie waren am Leben. Waren dem Teufel noch von der Schippe gesprungen, gerade so. Nicht alle waren zurückgekehrt. Sie war eilig, mit immer weiter wachsender Verzweiflung, die Reihen der Geretteten abgelaufen und hatte viele erkannt, doch der eine, dessen Abendbrot erkaltend auf dem grauen Küchentisch lag, war nicht dabei gewesen. Einige der Grubenarbeiter hatten ihr mitfühlend auf die Schulter geklopft, doch hinter ihrem Mitgefühl, in einer kleinen, gemeinen, hinteren Ecke ihrer Gedanken, waren alle nur froh, dass es nicht sie getroffen hatte.

    Sie jedoch hatte nicht aufgegeben. Sie nicht. Sie war vor der Mine verharrt, und bald war es dunkel geworden. Die Nacht war nicht nur ereignislos, sondern auch quälend lang gewesen. Keine Minute hatte sie geschlafen und immer wieder hatten seltsame Geräusche oder Lichtreflektionen des Mondes kurze, grausame Hoffnungsschimmer in ihr aufkeimen lassen, doch nie waren diese erfüllt worden. Nach Stunden der Qual in der dunklen Nacht, war die Sonne aufgegangen, rot, wunderschön und hinter Regen verheißenden Schleierwolken halb verborgen. Die wärmenden Strahlen streichelten ihr über Haut und Haar, so wie er sie immer streichelte. Kein Wind ging, nur einige Vögel besangen den kommenden Regen mit fröhlichem Zwitschern. Auch sie hatte viele lange Abende am Kamin für ihn gesungen. Schuberts Erstarrung, er mochte es sehr.

    Soll denn kein Angedenken
    Ich nehmen mit von hier?
    Wenn meine Schmerzen schweigen,
    Wer sagt mir dann von ihr?


    Kurz stimmte sie das Lied an, vielleicht in der Hoffnung, ihre Stimme würde mehr zutage fördern als nur zittrige, unsichere Molltöne, doch bereits nach wenigen Takten brach sie erfolglos wieder ab. Bald kam Wanja, ein junges Mädchen aus dem Dorf, mit zwei schweren hölzernen Wassereimern in ihren Händen, zu ihr gelaufen. Sie ging vor ihr in die Hocke und blickte traurig und mitfühlend in ihre matten Augen. „Bitte komm zurück, alle machen sich schon Sorgen. Du sollst nicht mehr auf deinen Mann warten, sagen die anderen, weil er jetzt auf dich wartet.“

    Dann endlich kam er. Der Regen kam. Und mit ihm kam die Gewissheit.
    Auf dem Rückweg zum Dorf vermischten sich die kühlenden Tropfen mit ihren heißen Tränen voller Leidenschaft.
    Geändert von LongWayHome (18. Januar 2010 um 16:34 Uhr)

  8. #8
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    So auf die Schnelle
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  9. #9
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    Vielen Dank, ich hab jetzt einiges noch ausgebessert. Teilweise sind die Fehler so dumm, aber irgendwie bemerkt man die nicht, wenn man selbst drüberliest :[

    Wird heute abgegeben.

  10. #10
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    und?

  11. #11
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    not yet, lehrer sind beamte.

    Vllt nach den Ferien.

  12. #12
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    [Kurzgeschichte] Zeiten ändern sich

    -
    Geändert von LongWayHome (10. September 2014 um 10:46 Uhr)

  13. #13
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    Mir gefällt die Geschichte sehr gut. Obwohl ich die Sache mit dem Vertrag und dem seltsamen Fremden noch nicht so recht deuten mag. Ist das so gemeint, das seine Zeit abläuft, bzw. er den Wandel nicht wahrhaben will?

    MfG SataX
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  14. #14
    ThoughtlessFreedom
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    deutungsversuch: der fremde ist die verkörperung der neuen zeit, die statt liebe in der arbeit nur noch zeitdruck und anonymität bringt; obwohl leopold nicht unterschreibt, sich der entwicklung also nicht einfach hingibt, wird er wenig später durch seine umwelt damit konfrontiert und schließlich holt ihn das ende doch ein. eine geschichte zur veränderung, zum verlust der alten werte und zur aussichtslosigkeit, sich dagegen zu wehren.
    richtig?^^

    jetzt zur kritik:
    eigentlich ist sehr vieles sehr gut. ein paar sachen hat satax schon hervorgehoben, wiederholungen und satzbau. allerdings hakt es am aufbau deiner sätze allgemein noch:
    Leopold mochte kein besonderes Geschick haben, und seine Uhren mochten fehlerhaft sein, doch er steckte so viel Liebe, Mühe und Arbeit in sie, dass sie dennoch eine gewisse Anhängerschaft unter den Stadtmenschen hatten – Menschen, die es mit der Zeit genauso wie Leopold oft nicht allzu genau nahmen, dafür allerdings die kleinen Bilder aus Aquarell, die der Uhrmacher gerne auf die Zifferblätter malte oder die fein geformten Zeiger, die bisweilen die Form von Pfeilen, gezackten Blitzen, oder, wenn Leopold in einer seltsamen Laune gewesen war, Herzen oder Elefanten hatten, genauso mochten wie er.
    Merke: wenn du in einem satz gezwungen bist, den namen der person dreimal zu nennen, dann ist er fast immer zu lang, und ein bindestrich ist keine echte unterbrechung eines satzes.

    zweiter absatz:
    Eines Tages, als Leopold gerade, eine kleine Tasse dampfenden Kaffee ohne Zucker schlürfend, am Fenster stand und dem bunten Treiben auf der Straße draußen zusah, kam ein Mann in seine Werkstatt, den Leopold noch nie gesehen hatte, und den er, so beschloss er zumindest nach einer kurzen und dennoch intensiven Musterung des Neuankömmlings, auch nicht wieder sehen wollte.
    ist ziemlich schwach. der zweite beistrich ist zwar grammatikalisch richtig, aber durch die doch recht große länge des eingeschobenen satzes hat man zuerst mal das gefühl, man hätte einen fehler vor sich - besser sowas weglassen, ohne beistrich ist es auch richtig. überhaupt wirkt die ganze konstruktion durch ihre beistrichdichte stockend und geht nicht gut von der zunge. besser wäre zb:
    "Eines Tages, als Leopold gerade eine kleine Tasse dampfenden Kaffee ohne Zucker schlürfend am Fenster stand und dem bunten Treiben auf der Straße draußen zusah, kam ein Mann in seine Werkstatt, den Leopold noch nie gesehen hatte, und den er - so beschloss er zumindest nach einer kurzen und dennoch intensiven Musterung des Neuankömmlings - auch nicht wieder sehen wollte."
    hier stört mich das "kurz, aber dennoch intensiv", da nach deiner charakterisierung des leopold und den gegensätzen der geschichte eigentlich alles von leopold ausgehende nur auf langsame art und weise intensiv werden könnte - aber vielleicht bin ich nur mal wieder zu perfektionistisch.

    dann, ganz allgemein zur einführung des fremden: in einer solchen szene solltest du immer darauf achten, alles auffällige möglichst früh zu bringen, damit der leser sofort einen groben eindruck von der szene hat, die du dann nur noch detaillierter ausarbeiten musst. als autor hast du von vornherein im kopf, dass der besucher hektisch sein wird. als leser dagegen formt man sich zuerst ein bild von der szene, in die das hektische eventuell nicht hineinpasst (so wars zb bei mir) - durch dein sehr spätes einführen des "gehetzten" zwingst du dann den leser dazu, dieses erste bild wieder zu verwerfen und neu aufzubauen. das ist ungeschickt - wie gesagt, wichtiges immer möglichst schnell, in den ersten satz noch einbauen oder noch ein bisschen was einschieben, will dir da jetzt nicht zu viel reinreden, da ich, um das "auszubessern", doch einen guten teil völlig umschreiben müsste, und das will ich dir bei einem aufsatz, der als ganzheit so gut rüberkommt, wirklich nicht antun - das ist deine arbeit, nicht meine

    bei der "fremden sprache" schwirrte mir im kopf herum, dass es "weder englisch noch deutsch oder französisch zu sein schien", aber wenn diese vermutung überhaupt in frage kommt, müsste es doch zumindest ein in unseren breiten üblicher schriftsatz sein - dann aber kommst du noch mit hebräisch, und es müsste ja auch möglich sein, eine sprache in unseren lettern zumindest zu identifizieren oder einer region zuzuordnen. ist nur so ein kleiner logikfehler, ich würde direkt hinschreiben, dass die schriftzeichen fremd aussehen und nicht nur die sprache.

    "bewarb sich für eine arbeit als fließbandarbeiter" ist auch eher scheu0lich, vom typ her würde leopold wohl nichts unversucht lassen, um gerade diesem schicksal zu entgehen - schon wesentlich besser wäre, dass er schon bald gezwungen ist, diese arbeit anzunehmen, weil seine alten, langsamen fähigkeiten nirgends gefragt sind.

    najo, wars soweit mal von mir. satzbau geht so weiter, aber da hab ich jetzt nur ein paar kleinigkeiten rausgepickt, schaus dir nur vielleicht nochmal an. das übliche mit den möglichst vielen absätzen, auf den ersten blick wirkt der riesige textblock einfach sehr abschreckend... aber wie gesagt, in seiner gesamtheit ein wirklich guter text.

    mfg
    jo, könnt euch ja denken wer ich bin

  15. #15
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    Zitat Zitat von ThoughtlessFreedom Beitrag anzeigen
    deutungsversuch: der fremde ist die verkörperung der neuen zeit, die statt liebe in der arbeit nur noch zeitdruck und anonymität bringt; obwohl leopold nicht unterschreibt, sich der entwicklung also nicht einfach hingibt, wird er wenig später durch seine umwelt damit konfrontiert und schließlich holt ihn das ende doch ein. eine geschichte zur veränderung, zum verlust der alten werte und zur aussichtslosigkeit, sich dagegen zu wehren.
    richtig?^^
    Ja, so in etwa dachte ich es mir

    Danke für eure Tipps und Hilfe <3

    Einige der bemängelten Sachen waren Absicht (beispielsweise die Dopplung des "Uhrmachers" ), aber mit vielen Dingen habt ihr natürlich recht. Dieser Logikfehler in Sachen fremder Sprache muss auf jeden Fall raus, und dass das Ende nicht ganz rund ist ist mir im Nachhinein auch aufgefallen -.-
    Geändert von LongWayHome (06. März 2010 um 19:04 Uhr)

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